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Teil 3: Überdurchschnittlichkeitsillusion oder … warum wir unsere Fähigkeiten oft überschätzen

Bild von Geralt Altmann / Pixabay
Bild von Geralt Altmann / Pixabay

Die Überdurchschnittlichkeitsillusion beschreibt den Hang von uns  Menschen, sich in bestimmten Bereichen wie Intelligenz, Autofahren, sozialen Fähigkeiten oder im Beruf für besser als den Durchschnitt zu halten.

 

Diese Einstellung weisen viele Menschen auf. Da es aber statistisch unmöglich ist, dass alle tatsächlich überdurchschnittlich sind, handelt es sich bei dieser Selbstwahrnehmung um eine kognitive Verzerrung.

 

Praktische Beispiele

1. Autofahren:
Viele Menschen sind überzeugt, bessere Autofahrerinnen und Autofahrer als der Durchschnitt zu sein. In Umfragen geben regelmäßig mehr als 70 % der Befragten an, überdurchschnittlich gut zu fahren. Dies steht jedoch im Widerspruch zur Statistik, denn es ist mathematisch unmöglich, dass die Mehrheit tatsächlich besser als der Durchschnitt fährt. Dieses Beispiel verdeutlicht die Überdurchschnittlichkeitsillusion im alltäglichen Verhalten und zeigt, wie weit verbreitet diese kognitive Verzerrung ist.

 

2. Intelligenz:
Ein eindrucksvolles Beispiel für die Überdurchschnittlichkeitsillusion zeigt sich bei der Selbsteinschätzung der eigenen Intelligenz. In einer Studie gaben etwa 80 % der Teilnehmenden an, sich selbst als intelligenter als den Durchschnitt einzuschätzen. Besonders auffällig ist, dass Männer sich in diesem Bereich noch häufiger überschätzen als Frauen. Diese Ergebnisse verdeutlichen, wie verbreitet die Tendenz ist, die eigenen Fähigkeiten zu überschätzen und sich selbst in einem überdurchschnittlichen Licht zu sehen.

 

3. Berufliche Fähigkeiten:
Ein weiteres Feld, in dem die Überdurchschnittlichkeitsillusion häufig auftritt, sind die beruflichen Fähigkeiten. Viele Angestellte neigen dazu, ihre eigene Produktivität oder Kompetenz im Vergleich zu ihren Kolleginnen und Kollegen höher einzuschätzen. Diese Selbstüberschätzung kann im Arbeitsumfeld problematisch werden: Wird die eigene Leistung überschätzt und die der anderen unterschätzt, kann dies zu Spannungen oder Missverständnissen im Team führen. Die Wahrnehmung der eigenen Überlegenheit kann dazu beitragen, dass man weniger offen für Feedback ist oder die Teamdynamik beeinträchtigt wird. Diese Tendenz zeigt, wie wichtig eine realistische Selbsteinschätzung im Berufsleben ist, um eine konstruktive und kooperative Zusammenarbeit zu fördern.

 

4. Soziale Kompetenzen:
Viele Menschen sind überzeugt, besonders empathisch, hilfsbereit oder beliebt zu sein – mehr als der Durchschnitt ihrer Mitmenschen. Diese Einschätzung ist ein weiteres Beispiel für die Überdurchschnittlichkeitsillusion. Im Alltag zeigt sich diese Tendenz oft darin, dass sich Personen selbst als sozial kompetenter wahrnehmen, als sie tatsächlich sind. Das betrifft Eigenschaften wie Empathie, Hilfsbereitschaft oder Beliebtheit im sozialen Umfeld. Auch hier steht die eigene Wahrnehmung häufig im Widerspruch zur Realität, da statistisch nicht alle Menschen überdurchschnittlich sozial kompetent sein können. Diese Selbstüberschätzung ist weit verbreitet und beeinflusst, wie wir auf andere zugehen und wie wir unser Verhalten einschätzen.

 

Na und, könnten Sie entgegen setzen! Was macht das schon, warum ist das relevant?

Diese Verzerrung kann durchaus das Selbstvertrauen stärken. Diese Illusion kann aber dazu führen, dass man eigene Schwächen übersieht und sich selbst nicht weiterentwickelt, im schlimmsten Fall aber auch gefährliche oder unnötige Risiken eingeht und sich und/oder andere gefährdet.  Im Coaching ist es wichtig, diese Verzerrung zu erkennen und realistische Selbsteinschätzung zu fördern.

 

Wird dies auch im Coaching thematisiert / bearbeitet? Und wenn ja, wie?

Im Coaching wird mit der Überdurchschnittlichkeitsillusion gezielt gearbeitet, um Klientinnen und Klienten zu einer realistischeren Selbsteinschätzung zu führen. Hier sind typische Methoden und Ansätze:

 

1. Bewusstmachen der Verzerrung

Der erste Schritt ist, die Klientin oder den Klienten für die Überdurchschnittlichkeitsillusion zu sensibilisieren. Oft ist diese Verzerrung unbewusst. Durch Reflexion und gezielte Fragen wird das eigene Selbstbild hinterfragt.

 

2. Perspektivwechsel

Im Coaching werden Klientinnen und Klienten dazu angeregt, die Sichtweise anderer einzunehmen. Zum Beispiel: „Wie würden Ihre Kolleginnen und Kollegen Ihre Fähigkeiten einschätzen?“ oder „Welche Rückmeldungen haben Sie in letzter Zeit erhalten?“ Das hilft, blinde Flecken zu erkennen.

 

3. Konkrete Beispiele und Feedback

Durch das Sammeln von konkreten Beispielen aus dem Alltag und das Einholen von Feedback  wird die eigene Wahrnehmung mit der Fremdwahrnehmung abgeglichen.

 

4. Zielgerichtete Übungen

Im Coaching werden Übungen eingesetzt, bei denen Klientinnen und Klienten ihre Fähigkeiten objektiv einschätzen und mit realen Ergebnissen vergleichen können. Das kann z. B. durch Rollenspiele, Tests oder das Setzen und Auswerten messbarer Ziele geschehen.

 

5. Förderung realistischer Selbsteinschätzung

Das Ziel ist, eine ausgewogene Sicht auf die eigenen Stärken und Schwächen zu entwickeln. So können gezielt Entwicklungsfelder erkannt und bearbeitet werden, was langfristig zu mehr Erfolg und Zufriedenheit führt.

 

Vielen Dank für Ihr Interesse und bis zum nächsten Mal

 

Ihr

Romanus Benda