
Kennen Sie das, wenn Sie etwas immer wieder hören und irgendwann denken: „Das muss ja stimmen!“? Genau das bezeichnet den Wahrheitseffekt!
Egal, ob es wirklich wahr ist oder nicht – wenn wir eine Aussage ständig lesen oder hören, kommt sie uns irgendwann glaubwürdig vor.
Deshalb halten sich manche Mythen so hartnäckig: Je öfter sie wiederholt werden, desto mehr glauben wir sie. Das passiert übrigens jedem – ganz egal, wie schlau oder gebildet Sie sind, auch bei Kindern. Der Wahrheitseffekt wurde auch schon vielfach wissenschaftlich untersucht und bestätigt.
Praxisbeispiele
Vielleicht kommt Ihnen das bekannt vor:
- Viele glauben immer noch, dass Spinat ein echter Eisen-Booster ist – dabei ist das eigentlich ein Mythos, der sich nur hält, weil er ständig wiederholt wird. Eisen enthält -im Gegensatz zu vielem anderen Gemüse- tatsächlich mehr Eisen, allerdings absolut betrachtet nicht viel.
- Auch in der Werbung läuft das ähnlich: Werbeslogans hören wir so oft, dass sie uns irgendwann ganz plausibel erscheinen – auch wenn die Werbetreibenden natürlich übertreiben oder gar "phantasieren". Da wird bei Waschmitteln das "Weiss" noch "Weisser" gemacht, manche Getränke "verleihen Flügel" oder manche vegane Fertigprodukte werden als "gesund" dargestellt, obwohl ein Blick auf die Inhaltsstoffe dies eindeutig widerlegt.
- Und in Politik und Medien? Da gewinnen populistische Aussagen oder Fake News durch ständiges Wiederholen an Glaubwürdigkeit. Besonders in den sozialen Medien tauchen Falschinformationen immer wieder auf und wirken dadurch mit der Zeit fast schon vertraut.
Kann das nicht gefährlich werden?
- Das Problem dabei: Wenn Lügen oder Halbwahrheiten immer wieder erzählt werden, werden sie irgendwann für wahr gehalten. Das kann zu falschen Einschätzungen, Vorurteilen oder sogar dazu führen, dass ganze Gesellschaften manipuliert werden.
- Auch unsere Entscheidungen sind betroffen: Oft verlassen wir uns auf vermeintliche Wahrheiten, die nur deshalb glaubwürdig wirken, weil wir sie ständig hören – sei es beim Einkaufen, bei Wählen oder wenn es um Gesundheitsthemen geht.
- Und dann sind da noch die sozialen Medien: Algorithmen sorgen dafür, dass besonders oft geteilte Inhalte immer wieder auftauchen. So kann es passieren, dass sich Falschinformationen richtig festsetzen.
Wie kann im Coaching damit gearbeitet werden?
Auch im Coaching spielt der Wahrheitseffekt hin und wieder eine ziemlich große Rolle. Viele Überzeugungen und Denkmuster von Klient:innen entstehen nämlich einfach dadurch, dass sie sich bestimmte Dinge immer wieder selbst erzählen – und irgendwann glauben sie das dann auch.
Was kann man tun?
- Bewusstmachen: Im Coaching schauen wir gemeinsam, welche Überzeugungen sich durch ständiges Wiederholen eingeschlichen haben. Und dann fragen wir uns: Sind die eigentlich wirklich wahr oder wozu waren sie ggf. hilfreich?
- Kritisch hinterfragen: Sie werden dazu ermutigt, Ihre eigenen Aussagen und Glaubenssätze mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Fragen wie „Woher weiß ich das eigentlich?“ oder „Habe ich das jemals überprüft?“ helfen dabei, alten Überzeugungen auf den Zahn zu fühlen.
- Positive Selbstbekräftigung: Der Wahrheitseffekt lässt sich übrigens auch für Sie nutzen! Wenn Sie sich immer wieder sagen „Ich kann das schaffen“, Sie sich auf Ihre positiven Eigenschaften konzentrieren - ja vielleicht auch Eigenlob zulassen-, dann werden diese Gedanke mit der Zeit immer glaubwürdiger – und Sie trauen sich mehr zu.
- Umgang mit Informationsflut: Gerade heute, wo wir von Infos nur so überflutet werden, ist es wichtig, nicht alles zu glauben, nur weil es ständig wiederholt wird. Wir alle sollten vermehrt darauf achten, Informationen kritisch zu prüfen und sich nicht so leicht beeinflussen zu lassen.
Vielen Dank für Ihr Interesse ... und bis zum nächsten Mal.
Ihr
Romanus Benda
